Kästner
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Die Theaterwerkstatt und die PhattHatts

Ein Abend mit Erich Kästner
 

„Es wär schon schöner, wenn es schöner wäre“

Dieser Stoßseufzer einer liebes- und lebenserfahrenen jungen Frau in Kästners Gedicht „Das Gebet keiner Jungfrau“ steht als Motto über der neuen Produktion der Theaterwerkstatt, die das lyrische Werk eben dieses Dichters zum Inhalt hat. „Es wär schon schöner, wenn es schöner wäre“, das ist der zwischen lebenskluger Heiterkeit und Melancholie schwebende Grundton, der Kästners Gedichte durchzieht und uns fern von allem Pathos und erst recht von aller Larmoyanz klar macht, dass wir eben nicht in der besten aller möglichen Welten leben. Ob es sich nun um die kleine private Welt unsrer All- und Sonntage oder um die große Welt unsrer sozialen und politischen Ordnung bzw. Unordnung handelt.

Dass bei der Textauswahl für das Programm Kästners Frauen-Gedichte eine ganz besondere Rolle spielten, lässt sich auch und sicher nicht zuletzt aus der Zusammensetzung des neuen Ensembles der Theaterwerkstatt erklären: 13 weibliche Mitglieder ,  1 männliches. „Ein Fräulein beklagt sich bitter“, „Höhere Töchter im Gespräch“, „Eine Animierdame stößt Bescheid“, „Sogenannte Klassefrauen“ sind einige Titelbeispiele, die auf die Bandbreite der Figuren und Milieus verweisen, die satirisch aufs Korn genommen werden. Dass diese Gedichte aus den 20er und frühen 30er Jahren nichts von ihrer zündenden Wirkung eingebüßt haben, liegt sicher zum einen an der zeitlosen Thematik, das ewig Weibliche eben, vor allem aber an ihrem Sprachwitz und der damit verbundenen virtuosen Handhabung der urlyrischen Mittel Reim und Metrum.

 „Ich bin sehr schön. Und bin als schön bekannt.
Fast jeder denkt bei mir an Botticelli.
Ich bin nicht hübsch. Und bin nicht intressant.
Nein, ich bin schön! Und dabei heiß ich Elli.“

„Botticelli  -  Elli“: auf solche Reime, die wie Ohrwürmer wirken, muss man erst mal kommen!

Ein zweiter Schwerpunkt bei der Textauswahl waren die sozialkritischen Gedichte, deren Aktualität die Schülerinnen und Schüler immer wieder verblüffte. In der Zeit der Welt-wirtschaftskrise am Ende der Weimarer Republik entstanden, wirken sie doch so, als seien sie heute geschrieben, zum Beispiel das „zur bleibenden Erinnerung an den Juli 1931“ verfasste Gedicht „Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank“. In solchen Texten zeigt sich, dass
Kästner zu den Klassikern eines kritischen Realismus gehört, der die Tradition politisch-sozialer Aufklärung mit literarischen Mitteln neu belebte und dabei das große Kunststück vollbrachte, mit seinem zum Teil schnoddrig-sarkastischen Ton echte Volksnähe  zu erreichen und dabei alle –tümlichkeit zu vermeiden, weshalb die Nazis dann auch seine Bücher verbrannten.

Eine Besonderheit des diesjährigen Programms der Theaterwerkstatt besteht darin, dass es sich um ein Fächer verbindendes Projekt von Literaturkurs und Jazz-AG handelt. Die Band „PhattHatts“ unter Leitung von Volker Schwebke studierte einige Musikstücke ein, die im Sound ein ideales Pendant zu Kästners Texten bilden und die szenischen Rezitationen der Theaterwerkstatt mit ihren fetzigen bis sentimental-melancholischen Klängen umrahmen und begleiten.

Die Aufführungen finden am Dienstag, den 23. und am Mittwoch, den 24. März, jeweils um 19.30 Uhr in der Pausenhalle Ost der Schule statt. Karten zum Preis von 4,- €, SchülerInnen 2,- €, sind in den Pausen vor dem Sekretariat und in der Pausenhalle sowie an der Abendkasse erhältlich. 

Dietrich Erlach und Karin Feilen

Ratinger Wochenblatt, 18. März 2010