Gretchen 89ff von Lutz Hübner
„Gretchen 89 ff.“? Gretchen aus Goethes „Faust“, eine der berühmtesten Frauenfiguren der dramatischen Weltliteratur? Zu welchen Höhen versteigt sich denn jetzt die Theaterwerkstatt des Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums, nachdem sie sich in ihrer letzten Produktion „Mr. Pilks Irrenhaus“ noch in den sumpfigen Niederungen des alltäglichen Wahnsinns gesuhlt hatte?
Nicht doch! Gewiss, es geht um besagtes Gretchen. Doch ist sie bzw. eine ihrer Hauptszenen, im Insiderjargon nur „Kästchenszene“ genannt, zu finden Seite 89 ff. in „Faust – Der Tragödie erster Teil“, nur der Aufhänger für etwas ganz anderes. Es geht um einen Blick hinter den Vorhang, bevor er bei der Premiere aufgeht.
Das Stück des Schauspielers und Bühnenautors Lutz Hübner zeigt den ZuschauerInnen die Probenbühne, jenes geheimnisvolle Allerheiligste des Theaters, wo sich die Rituale der Einstudierung abspielen. Dabei handelt es sich um einen höchst spannungsgeladenen, exzessiven und immer wieder tragikomischen Prozess, in dem Regie und Schauspielkunst aufeinander treffen, laut Hübner „zwei von alters her natürliche Angstgegner“. Lustvoll boshaft zeigt er, wie bei der Inszenierung der klassische Text den fixen Ideen und narzisstischen Selbstbildern der Beteiligten als Projektionsfläche dient.
Entstanden ist ein Theaterkabarett aus 10 Szenen, das mit den gängigen Klischees und Stereotypen des Theaterbetriebs und seines Personals spielt. Da treffen wir Regisseure vom Typ des Existenzialisten, der am Abonnententheater und seinen biederen Schauspielern leidet, vom Typ des sexbesessenen Freudianers, der Gretchen die Rolle einer Domina zumutet, vom Typ des Streichers, der die Szene zu einem zusammenhanglosen Textfragment verstümmelt und andere mehr mit ihren Macken und Marotten, die sie für ein kreatives Regietheater halten.
Ihnen gegenüber stehen die Archetypen weiblicher Schauspielkunst von der übereifrigen Anfängerin bis hin zur schrillen Diva. Und dann gibt es da noch die intellektuelle Dramaturgin mit ihrem Versuch, die Gretchen-Figur feministisch umzukrempeln, die Hospitantin, die selig ist, jetzt irgendwie zum Betrieb dazuzugehören, und einen Requisiteur, der das Kästchen bastelt.
Sie alle sind Teil der menschlichen Komödie, die das Theater vor und hinter den Kulissen bietet und das damit nichts anderes ist als ein Abbild des alltäglichen Tuns und Treibens von uns allen.
Bis auf zwei Mitglieder aus der vorigen Produktion hat sich in der Theaterwerkstatt ein ganz neues Ensemble gebildet, bis auf drei SchülerInnen aus der Jahrgangsstufe 12 alle übrigen aus der 13. Das Leitungsteam besteht unverändert aus Frau Feilen und Herrn Erlach. Alle Beteiligten haben an der Beschäftigung mit dem Theater auf die Hübnersche Weise viel Spaß gehabt und freuen sich darauf, das Publikum daran teilhaben zu lassen.
Die Aufführungen finden in der Pausenhalle Ost des CFvW-Gymnasiums am Mittwoch, dem 1.4.2009, und Donnerstag, den 2.4.2009, um 19.30 Uhr statt. Eintritt: 5,-€ (Erwachsene), 2,-€ (SchülerInnen).
Karten im Vorverkauf in der Pausenhalle Ost und vor dem Sekretariat und an der Abendkasse.
Zwei ausverkaufte Veranstaltungen, die überragenden Aufführungserfolge sind Tagesgespräch in der Schule! Die Theaterwerkstatt hat wieder ein Meisterstück abgeliefert!