Fische sezieren - von Faszination und Unbehagen
Am 26.10.05 war es soweit. Die Klasse 7c war in 4er-Gruppen aufgeteilt und sollte unter Anleitung von Frau Dr. Strehblow einen Fisch sezieren. Joana Reicherts, Tim Riesebeck und Thuva Gnanasampanthan fassen ihre Eindrücke zusammen.
Tim von der Gruppe "die Mückenlarven fressenden Guppies" berichtet: "Vor der Biostunde waren alle sehr aufgeregt aus unserer Gruppe. Wir wussten einfach nicht, wie es in einem Fisch aussieht. Als wir dann in den Klassenraum kamen und sahen, wie unsere Lehrerin die großen Forellen in einer Tüte auf den Tisch legte, staunten wir, weil wir dachte, sie wären nicht so groß. Jedenfalls sollte dann der Materialbeschaffer das Material beschaffen (Spatel, Arbeitsblatt und FISCH!). Dabei wurde mir, dem eigentlichen Materialbeschaffer, schlecht, also übernahm Matthias die Aufgabe für mich."
"Mit Messer, Nagelschere, Pinzette und Stecknadeln bewaffnet näherten wir uns der Forelle", erinnert sich Joana von den "Phantastischen Vier". "Wir sollten zunächst eine Skizze des Fisches in Seitenansicht anfertigen! Das war noch eine der weniger schwierigen Aufgaben. Also nahm der Protokollführer ein Blatt und zeichnete notgedrungen etwas, das wie eine Forelle aussehen sollte. Als nächstes wurde von uns verlangt, Form und Beschaffenheit von vielen Körperteilen des Fisches zu beschreiben. Einziges Problem: Man musste dazu natürlich den glitschigen Fisch anfassen. Für die Hartgesottenen unter uns stellte dies kein wirkliches Problem dar, aber für die etwas sensibler veranlagten Schüler ...! Zwischendurch waren immer wieder Schreie zu hören, weil irgendein Fisch doch angeblich gezuckt hätte oder die Zunge des Fisches ach so hart gewesen wäre. Nun sollten wir den Kiemendeckel untersuchen, wobei einige entsetzt feststellten, dass auch Kiemendeckel bluten können."
"Die Aufgabe war nun, den Fisch aufzuschneiden und alle Organe in gutem Zustand herauszuholen", fährt Tim fort. "Als wir dies versuchten, flutschte uns der Fisch weg. Wir mussten ihn festhalten um durch seine - in unseren Augen - harte Haut durchzuschneiden. Nachdem wir dann den ersten Schnitt am Bauch verübt hatten, glitt etwas Weißes, Großes aus dem Fisch heraus. Es mussten die Magenanhänge sein. Wir schnitten vorsichtig weiter. Nun hatten wir einen Überblick über alle Organe. Wir hatten so vorsichtig geschnitten, dass noch nicht einmal die Schwimmblase zerplatzt ist. Wir fingen also an Herz, Leber, Niere usw. herauszuholen. Selbst die Augen des Fischs lagen auf dem Schneidebrett und kullerten leblos und starr herum. In den letzten zehn Minuten holten wir die gesamte Schwimmblase (s. Foto) heraus. Dabei stellten wir uns so geschickt an, dass wir sie herausholten, ohne dass sie zerplatzen konnte. Dann hatten wir es geschafft. Wir fanden auch, dass wir gut zusammen arbeiten konnten. Insgesamt hat uns alles sehr viel Spaß gemacht."
Auch Thuva fasst zusammen: "... alle haben sich zuerst geekelt, aber später kamen wir damit klar."
Joana hingegen meint: "Die Mutigen legten, wohlgemerkt ohne Handschuhe, sofort los und schnitten wie Profis an dem Fisch herum, bis er schließlich kein Seitenteil mehr hatte. Hiernach holten sie die gesamten Organe heraus und versuchten sie zu benennen. So einfach hört sich das an, wenn man sich die Aufgabe durchliest. In der Realität sah das schon wieder ganz anders aus: die Tatsache, dass in manchen Gruppen nicht unbedingt jemand dabei war, dem so etwas nichts ausmachte, stellte ein enormes Problem dar. Hysterisch mit der Nagelschere in dem Fisch herumstochernd, versuchten manche den Fisch offen zu legen. Das klappte natürlich so nicht, und als dann auch noch die netten mutigen Helfer von den anderen Gruppen kamen, um mit blutigen Händen beim Aufschneiden zu helfen und das dann auch noch total lustig fanden, war das zuviel des Guten für die, die sich sowieso schon ekelten. Sie stellten sich dann mit weißem Gesicht ans Fenster und machten gar nichts mehr."
Ihr Fazit ist jedoch: "Im Allgemeinen hat das Fische-Sezieren den meisten von uns Spaß gemacht und wir waren uns einig, dass man, wenn man nicht gerade einer von den oben erwähnten sensibel veranlagten Schülern ist, daran viel Spaß haben und eine Menge lernen kann."
Dr. Claudia Strehblow